Es war Ende Juni, die Ferien hatten noch nicht einmal richtig begonnen,  als ich die ersten Anfragen verunsicherter Eltern erhielt, die mich fragten, ob ihre Kinder in den Ferien lernen sollen.

Dass die Kids in den Ferien von Schule und Lernen recht wenig wissen wollen und gar nicht empfänglich für die Anregungen ihrer Eltern sind, kann ich aus Kindersicht nur allzu gut nachvollziehen. Als Mutter eines schulpflichtigen Kindes kenne ich aber auch diese Gewissensfragen „Ferien lernen? Ja? Nein?“ nur zu gut!

Als Mama will man natürlich nur das Beste für sein Kind, man will ja nicht, dass es den Anschluss verliert. Das Kind soll es im neuen Schuljahr leicht(er) haben und wenn die Noten auch nur ein bisschen besser wären, wäre es auch kein Fehler. Die Lehrerin hätte schließlich auch gemeint, dass ein bisschen Wiederholung nicht schaden würde. Und die Kinder von der Nachbarin lernen schließlich auch…. Solche Gedanken sind auch mir nicht fremd. Was also tun?

Das Wort „Ferien“ kommt vom lat. Wort „Feriae“, was so viel wie Festtage bedeutet. Lt. Wikipedia werden mit diesem Begriff Zeiträume bezeichnet, „….in denen eine Einrichtung vollkommen schließt, um den  Angehörigen andere Tätigkeiten insbesondere Erholung zu ermöglichen. In Deutschland und Österreich werden damit überwiegend die Schulferien bezeichnet.“

Ok, der Definition entsprechend sind die Ferien also zur Erholung da. Na ja und ehrlich gesagt, haben sich das auch die Kids redlich verdient. Sie sollten also die Zeit zum Erholen und Spielen nützen. Und so schlecht kann Spielen ja auch nicht sein, oder?

„Spielen ist Dünger für das Gehirn“ (Gerald Hüther)

 

Der deutsche Gehirnforscher Gerald Hüther  definiert in seinem Buch „Rettet das Spiel“ – einem Plädoyer  für das Spielen –  Spielen als „das Erkunden des Möglichen“.  Er erklärt, dass sich alle lernfähigen Tiere Fähigkeiten, die sie später zum Überleben brauchen, im Spiel aneignen.  Junge Hunde, Katzen und andere lernfähige Jungtiere versuchen spielerisch (also zweckfrei) zu erkunden, was alles geht.

Und auch der Mensch als lernfähiges Subjekt, lernt in seinen ersten 2-3 Lebensjahren schier Unglaubliches durch das Spiel (dem zweckfreien Ausprobieren all dessen was ihm möglich ist):

Ein Baby lernt sich zielgerichtet zu bewegen, zu greifen, aufzustehen, zu laufen. Außerdem es lernt eine Sprache quasi aus dem Nichts – eine Leistung, die mit dem Erlernen einer Fremdsprache nicht vergleichbar ist.  All das ist nur möglich, weil das Kleinkind einfach spielerisch ausprobiert, weil es seinen Lernprozess selbst in seinem Tempo gestaltet. Das alles wäre allein nur durch Worte/zielgerichtetes Lernen  nicht möglich.

Leider geht diese Freude am Lernen irgendwann verloren, nämlich dann, wenn das Lernen funktionalisiert und zielgerichtet wird. Beim zielgerichteten Lernen geht es darum, möglichst schnell und effizient sein Ziel zu erreichen.  Da wird es dann auch schwierig; nicht nur weil die innere Motivation (der innere Antrieb) verloren geht, sondern auch weil bei dieser Art des Lernens (so G. Hüther) nur mehr jene Teile des Gehirns verwendet und vernetzt werden, die für die Erreichung des Lernziels benötigt werden.

 

Ohne Spiel keine Phantasie, Kreativität, Ideen keine Bereitschaft sich in Ungewisses vorzuwagen.

 

Hüther vergleicht zielgerichtetes Lernen mit einer Fahrt auf der Autobahn von A nach B: Man fährt bei A auf die Autobahn und verlässt sie erst wieder, wenn man die Ausfahrt nach B erreicht hat. Alles was sich neben der Autobahn verbirgt, bleibt unentdeckt.

 

Anders beim Spielen: Da würde man auf die Autobahn auffahren und ein Stück fahren, bei der einer Ausfahrt, die einem gefällt, herunterfahren um zu sehen, was es dort Interessantes gibt. Man könnte z.B. ein tolles Museum entdecken, ein schönes Waldstück oder ein Lokal, in dem es super gutes Essen gibt. So würde man viele verschiedene Eindrücke neben/abseits der Autobahnstrecke gewinnen. Beim freien Spiel ist also das Gehirn für alles offen, d.h. alle Gehirnareale sind die für Vernetzung bereit. In diesem Raum der Möglichkeiten (der übrigens jedem von uns offen steht) wird der Phantasie freien Raum gelassen, Kreativität gelebt und neue Ideen können entstehen.

 

Der Mensch ist gut damit beraten, das Leben spielend zu verbringen (Platon)

Warum also, den Kindern in den Ferien, diese Zeit nicht geben?

Mein Fazit: Für mich ist Lernen in den Ferien nicht zwingend notwendig, solange keine Nachprüfung im Herbst bevorsteht. Vor allem in den ersten beiden Volksschul- bw. Grundschulklassen sehe ich es aber durchaus von Vorteil, das Gelernte in den Ferien zu wiederholen und zu festigen, damit im Herbst der Start ins neue Schuljahr dann leichter klappt. Aber auch das ist  mit Spaß und Spiel möglich!

In meiner kostenlosen Mini-Spielesammlung Spielen und spielend lernen (einem Auszug aus meinem E-Book „33 clever Games für smarte Kids“  – das ich aktuell noch überarbeite) stelle ich meine 5+1 Lieblingspiele vor.  Die Spiele eigenen sich je nach Schwierigkeitsstufe für Kinder von 5 bis 12 Jahren und helfen dabei

  • entweder Fähigkeiten, die das Lernen erleichtern bzw.  Blockaden entgegen wirken, zu trainieren oder
  • Lernstoff (1x1, Lernwörter oder Vokabeln) spielerisch zu festigen.

 

Damit komme ich sowohl meinem Bedürfnis mein Kind ein bisschen zu fördern, sondern auch dem Recht meines Kindes nach Spiel, Freizeit und Erholung nach.