Du hast manchmal das Gefühl eine Rabenmutter zu sein? Du glaubst, dass andere von dir denken, du seist eine Rabenmutter?

Dann gratuliere ich dir von Herzen – denn das ist so etwas wie ein Kompliment! Ich wünsche mir für dich, dass das für dich in Zukunft ein Zeichen ist, dass DU alles richtig machst!

Wie ich das jetzt meine?

Fangen wir mit der rein sachlichen Erklärung an:

Wir verstehen landläufig unter einer Rabenmutter eine Mutter, die sich um ihr Kind nicht kümmert. Schon im Startarikel meiner Blogparade „Und täglich großt die Rabenmutter“ habe ich darauf hingewiesen, dass Rabenvögel fürsorgliche Mütter /Eltern sind. Es sind die Jungvögel, die sehr zeitig nach Selbstständigkeit streben und das Nest verlassen, bevor sie noch richtig fliegen können. Deshalb wirken sie manchmal etwas hilflos. Aber ihre Rabeneltern lassen sie ihren eigenen Weg zu gehen. Sie kümmern sich nicht darum, was wir Menschen sagen.  Sie lassen, ihre Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen.  Du siehst also, dass die Bezeichnung Rabenmutter eigentlich falsch verwendet wird. 🙂

 

Wann entsteht das Gefühl, eine Rabenmutter zu sein?

Da ich nicht in Frage stelle, dass du dein Kind liebst und stets auf sein Wohl bedacht bist, gehe ich davon aus dass du – wie eine fürsorgliche Mutter – stets DEINE Gründe für DEIN Tun oder Nicht-tun hast. Dass du das tust, wovon du wovon du überzeugt bist, dass es zu diesem Zeitpunkt richtig ist.  Du triffst also eine Entscheidung aus gutem Grund und mit gutem Gewissen. Eine Entscheidung, die sich gut und richtig anfühlt. Eine Entscheidung zum Wohle aller.

So weit – so gut. An mir und meinen Klienten durfte ich beobachten und erkennen, dass das ungute Gefühl erst dann entsteht, wenn ANDERE ins Spiel kommen. Entweder wenn wir von unserem Umfeld hingewiesen werden, was die anderen so machen,
oder
wenn wir selbst beginnen nach rechts und links zu schauen und sehen, dass andere Mütter es anders machen. (Dabei vergessen wir oft, dass auch diese IHRE Gründe haben, die Dinge so zu machen wie SIE es tun).

Wie schnell sind wird dann verunsichert und wollen uns vielleicht rechtfertigen.  So fangen wir an zu werten, zu bewerten, zu urteilen. Aus einem „XY macht es anders“ wird ein „XY macht es besser/schlechter“. Und dann entsteht ein Gefühl des Versagens (die Rabenmutter ruft) oder des „Besser seins“.

Im Vorfeld zur Blogparade hatte ich einige Gespräche mit Müttern – nicht nur in meiner Praxis, auch mit vollkommen fremden Frauen, die sich für die Blogparade interessierten.  Sie alle erzählten mir von ihrem schlechten Gewissen und ich stellte Erstaunliches fest.

Da gab es Frauen, die sich als Rabenmütter sahen, weil sie ihre Kinder „zu früh“ in fremde Betreuung gaben, andere weil sie ihre Kinder spät oder gar nicht Fremdbetreuung geben wollen.

Andere fühlen sich als Rabenmütter weil sie erst spät Kinder bekommen und zuerst das Leben genossen haben, wieder andere weil sie früh die Kinder bekommen haben und so ihnen vielleicht finanziell nicht so viel bieten können.

Na, aber hallo! Also was nun? Was ist „richtig“? Und was nicht? Die Kinder früh in Betreuung geben oder später? Sie früher bekommen oder später?

Wenn man sich das als Außenstehender anschaut, ist es eigentlich egal, was Frau tut. Zwei gegensätzliche Ausprägungen ein und derselben Sache wird von den einen als „gut“ und von den anderen als „schlecht“ wahrgenommen. Egal wofür sich die Mutter entscheidet, sie kann es nur „falsch“ machen, sobald sie ins Außen und in den Vergleich geht. Da wird es immer andere Meinungen geben.

WER sagt, was „gut“ und was „schlecht“ ist? WER legt das fest?  UND: WAS bedeutet überhaupt GUT? WANN ist etwas gut und WANN NICHT?

 

Dinge sind einfach nur

Das ist etwas, das auch ich erst sehr spät erkannt habe. Erst in meiner Ausbildung zur Mentaltrainerin wurde mir das klar: Alle Dinge SIND einfach nur – sie sind wie sie SIND. Das Wetter ist so wie das Wetter ist. Mal regnet es – mal scheint die Sonne.  Es ist weder gut noch schlecht.  Es wird gut oder schlecht für mich, wenn ich es als gut oder schlecht bezeichne.  Erst indem ich dem Wetter die Bedeutung von gut, schlecht, schön oder nicht schön gebe, verändere ich mein Erleben des Wetters. Das Wetter selbst ist und bleibt wie es ist.

Alle Dinge sind wie sie sind. Die Qualität, die wir ihnen zuschreiben,  entsteht durch UNS – durch unser Denken, unsere Erfahrungen und unsere Prägungen.

Warum soll dann eine andere Mama nicht auch anders handeln?

ICH bin diejenige, die meine Situation und mein Kind am besten kennt. Jeder sieht die Welt von seinem Standpunkt aus und nirgends auf der Welt gibt es jemanden, der exakt den gleichen hat (selbst wenn er nur 20 cm neben mir steht, ist der Blickwinkel schon ein anderer). Ich treffe meine Entscheidung und handle – aus tiefstem Herzen und mit der vollen Überzeugung, dass ich zu jedem Zeitpunkt meine beste Entscheidung treffe. Und dann bleib ich bei mir. Gehe meinen Weg.

Dasselbe gestehe ich den anderen zu – dann gibt es kein besser oder schlechter sondern nur mehr ein ANDERS.

Wenn ich mein Kind mit 2,5 Jahren in Fremdbetreuung gebe, weil ich die Zeit für mich brauche, um ihm dann wieder mit meiner ganzen Aufmerksamkeit  und Achtsamkeit beistehen zu können und mir wichtig ist, dass er auch Kontakte zu gleichaltrigen Kindern hat, dann ist das so.  Weil es sich für mich richtig und stimmig anfühlt.

Wenn eine andere Mama für sich entscheidet, ihr Kind so lange wie möglich zuhause zu behalten, dann ist das auch so. Weil es für SIE stimmig ist und sich für SIE richtig anfühlt.

Für mich ist das mittlerweile ok. Wenn andere mich als Rabenmutter sehen, sollen sie das. Es sind ihre Vergleiche, ihre Begrenzungen.

Ich weiß dann, dass ich mich nicht irgendwelchen Pseudo-Wahrheiten folge.
Dass ich bei mir bin.
Dass ich meine Werte lebe.
Dass ich ein bisschen zum Bunten in der Welt beitrage. Dass ich meinem Kind ein Vorbild bin.

Ob mir das immer leicht gelingt?

Nein, nicht immer, aber immer öfter.  Und zum Glück habe ich tolle Werkzeuge/Übungen an der Hand, die mir dabei helfen,  wie z.B. meine Lieblingsübung zur Ruhe kommen mit dem inneren Pendel. Sie hilft mir immer dann, wenn ich durch den Wind bin und nicht mehr weiter weiß – wenn ich gerade nicht in meiner Mitte bin

Dazu stelle ich mir in Gedanken mein inneres Pendel vor. Ich schau mir an, wie es aussieht, wie es ausschlägt: gleichmäßig oder einseitig? weit und heftig oder eher sanft?

Wenn es sehr weit oder einseitig ausschlägt bringe ich es in Gedanken mit beiden Händen sanft in die Mitte bis es nur mehr sanft und gleichmäßig ausschlägt. Im gleichen Ausmaß wie sich das Pendel sanft einschwingt, merke ich , wie ich wieder in meine Mitte komme.

 

Was ich mir für dich wünsche:

Ok, manches davon klang vielleicht für dich etwas philosophisch!  Aber was ich dir damit gerne sagen und nun mitgeben will ist folgendes:

Sei du selbst
Höre auf dein Herz
Lass dich von außen nicht verunsichern
Versuche die Dinge so zu sehen wie sie SIND: einfach so,  ohne Wertung
Sei froh, wenn du anders bist: erst die unterschiedlichen Farben in der Welt machen diese bunt
Und wenn du unsicher bist, dann frag dein Kind: Unsere Kinder lieben uns genau so, wie wir sind.

Dazu noch ein Anekdote die sich vor wenigen Tagen ereignet hat. Mein Lieblingssohn hörte mich anscheinend, wie ich am Telefon zu meinem Gesprächspartner sagte,  dass ich eine Rabenmutter sei. Mir war das nicht bewusst, aber ihn beschäftigte das sehr, denn vor dem Schlafengehen fragte er mich dann, warum ich das denn gesagt hätte.

„Du bist keine Rabenmama – du bist die beste Mama der Welt“.

 

Wenn Du mehr darüber wissen möchtest, was es heißt eine Rabenmama zu sein UND auch stolz darauf zu sein, dann lege ich dir den Artikel von Stephanie Kempe ans Herz. HIER geht´s zum Artikel.

Und der nächste Beitrag von Katja Muras erscheint Anfang nächster Woche!

Eine Zusammenfassung aller bisher erschienen Artikel findest du am Ende des Startbeitrags zur Blogparade.